Liebe Gartenfreundinnen, liebe Gartenfreunde,
wir möchten euch gerne über einen „Eindringling“ in unserer Region informieren, der unseren heimischen Insekten und insbesondere unseren Bienen schwer zusetzen kann und aktuell droht, unser biologisches Gleichgewicht empfindlich zu stören.
Die Asiatische Hornisse
Sie ist 2004 in Frankreich in der Region Bordeaux über Fracht aus Asien eingeschleppt worden und hat sich rasant ausgebreitet. In Frankreich hat sie bis jetzt schon großen Schaden angerichtet. Ihre Hauptnahrungsquelle besteht aus Honigbienen.
Sie fangen Flugbienen direkt vor ihrem Bienenstock in dem sie im Schwebeflug vor den Stöcken „parkt“ und die Biene im Flug abfängt. Wir konnten das letzte Jahr im Herbst in unserer Gartenanlage selbst beobachten. Das führt unter anderem auch zu einer Fluglähmung: Die Bienen trauen sich nicht aus dem Stock, die Königin stellt das Eierlegen ein und das Volk kann verenden.
In den betroffenen Gebieten in Frankreich haben Imker, je nach Lage, von Verlusten zwischen 5% und 80% ihrer Völker berichtet. Neben den Honigbienen fressen sie auch Wildbienen, Fliegen, Wespen, Käfer und andere Insekten, was das ökologische Gleichgewicht und die Artenvielfalt extrem beeinträchtigt. Ein einziges Nest der Asiatischen Hornisse vertilgt etwa 11-20 Kilogramm Insektenmasse pro Saison. Schätzungen ergeben 90.000 – 100.000 Honigbienen und andere Insekten pro Saison.
Zum Vergleich: ein Nest unserer einheimischen Hornisse benötigt etwa 4 kg Biomasse pro Jahr.
In Frankreich, Spanien und auch bei unseren Benelux-Nachbarn hat die massive Ausbreitung bereits zu erheblichen Einbußen in der Landwirtschaft und in der Imkerei geführt, da die Populationen nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind.
Viele von uns haben letztes Jahr an der Efeuhecke Bekanntschaft mit der Asiatischen Hornisse gemacht, dort haben sie im letzten Herbst Pollen gesammelt.
Wir haben in ca. 200m Luftlinie im Forstbotanischen Garten ein Sekundärnest in ca. 30 m Höhe gefunden, leider hat die Stadt nicht gehandelt als dort noch Flugverkehr herrschte und somit sind viele neue Jungköniginnen ausgeflogen. Daher ist es sicher, dass wir spätestens ab Juni/Juli wieder der Asiatischen Hornisse begegnen werden.
Im Frühjahr (ab April/Mai) gründen die Jungköniginnen ihr neues Volk, anfangs in einem sogenannten Embryonal- oder Primärnest. Diese sind dann noch recht klein und noch gut zu entfernen. Wenn wir sie jetzt finden, verhindern wir bei jedem Nest ein Sekundärnest, welches im Spätsommer bis Herbst aus mindestens 3000 – 5000 Tieren mit bis zu 350 Jungköniginnen bestehen kann.
Bitte sucht eure Gärten und Gebäude gründliche ab, insbesondere:
– Im Geräteschuppen
– In Holzkisten oder anderen Aufbewahrungskisten
– Unterseiten von Gartenmöbeln
– Vordächer, Carports oder dichte Sträucher
– Hinter dem Gartenhaus
Was tun bei Sichtung?
Auf keinen Fall das Nest selbst entfernen. Die Tiere verteidigen ihr Nest sehr energisch!
– Ein Foto machen (wenn gefahrlos möglich)
– Unbedingt Standort melden (siehe unten) Neobiota LANUK NRW
– Professionelle Beseitigung (siehe unten)
Durch unsere Achtsamkeit können wir einen aktiven Beitrag leisten, die heimische Insektenwelt zu schützen und die notwendige Biodiversität zu erhalten.
Wir werden die Asiatischer Hornisse nicht mehr los, diesen Kampf werden wir nicht gewinnen. Aber wir können immer im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen, regional zu handeln um so den Jagddruck auf die heimischen Bienenvölker und Insekten zu senken und eine Massenausbreitung zu verhindern.
Pro entferntem Primär- oder Sekundärnest werden 350 potenzielle neue Königinnen weniger im nächsten Jahr in der Region unterwegs sein und sich entsprechend weiter vermehren können.
Je mehr Menschen in der Region Bescheid wissen und sensibilisiert werden, desto eher werden Nester erkannt und können schneller beseitigt werden.
Man kann es mit der Unkrautbekämpfung im Garten vergleichen: Man wird es nie ganz los, aber wenn man es im Zaum hält, können andere Pflanzen trotzdem gedeihen.
!!! Sichtungen und Funde sollten mit Bildbeleg dem Neobiota-Portal gemeldet werden. Dort findet sich auch eine Karte mit gesichteten Nestern oder einzelnen Insekten!!!
https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/webformular
Es ist wichtig die Asiatische Hornisse nicht mit der unter besonderem Artenschutz stehenden heimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro) zu verwechseln!

